Dieses kleine Blog läuft nun schon seit dem 18. August 2007 mit Wordpress.
Damals switchte ich von Typo, zu dem ich vorher von SnipSnap aus
switchte.
Nun bin ich tatsächlich schon seit meinem zarten Hinweis vom 6. Juni 2011 dabei, das diese Seite antreibende Blogsystem auf Jekyll umzustellen.
Um genau zu sein auf Octopress aber dazu gleich mehr…
Fakt ist, dass dieses Wordpress so langsam aber sicher unzeitgemäß erscheint.
Das liegt auf Frontendseite natürlich zu einem großen Teil am verwendeten
Theme, welches sich natürlich ändern ließe. Aber auch auf der Backendseite
erscheint mir Wordpress nach all den Jahren immer altbackener. Nicht, das es
sich nicht weiterentwickelt hätte, ganz im Gegenteil. Das Admin-Panel ist sogar
durchgängig besser und schicker geworden finde ich. Aber ich bin seiner
sozusagen überdrüssig und der inner Geek sehnte sich auch schon seit
einiger Zeit nach einem neuen Blogtriebwerk.
Und auf der Triebwerksseite gibt es einiges an positiven Änderungen durch den
Einsatz des neuen Systems. Jekyll ist in dem Sinne keine Blogsoftware, sondern
eine Parsing Engine. Man wirft ihr eine Verzeichnisstruktur gefüllt mit Dateien
vor und Jekyll baut daraus eine fertige Website1. Dieser Vorgang wird im
Allgemeinen als Backen einer Website bezeichnet. Auf diese Art und Weise
treibt Jekyll nicht nur zahlreiche Websites im Netz, sondern etwa auch
sämtliche GitHub Pages an.
Dieses Backen hat zur Folge, dass nur noch statische Seiten ausgeliefert
werden, die mit buchstäblich jedem Webserver ohne jede weitere Abhängigkeiten
ausgeliefert werden können. Daraus ergeben sich die folgenden Vorteile:
- Keine Datenbank mehr nötig, die die Informationen vorhalten müsste
- Keine Scriptsprache mehr nötig, mit der die Informationen aus der Datenbank
geholt werden
- Ideale Performance, da nichts on the fly zusammengebaut wird
- Keine Userverwaltung
- Keine Adminbackend
- Keine Updates auf dem Server einspielen
- Kein Einfallstor für Schadcode2
- Bloggen mit Vim und Markdown
- Versionskontrolle und Backup sind sehr einfach zu implementieren
Der eine große Nachteil ist, dass das Backen der Website mit allen Verlinkungen
und Layouts und Posts und allem, eben eine gewisse Zeit dauert. Auf dem Mac
mini benötigt die Erstellung von instant-thinking.de aktuell eine knappe
Viertelstunde. Das MacBook Pro erledigt die Aufgabe in acht Minuten, aber auch
das ist noch relativ lang.
Ein weiteres, aber deutlich kleineres Problem, ist die Einbindung von
dynamischen Inhalten wie etwa Kommentaren. Das wird auf dieser kleinen
Seite3 aber schon seit geraumer Zeit von Disqus erledigt. Die
Widgets von last.fm, Twitter und flickr in der Seitenleiste
funktionieren genau so weiter, wie sie bisher auch arbeiteten. Also alles gar
nicht so wild.
Ausserdem kommt hinzu, dass Jekyll so gut wie nichts mitbringt. Man ist also
gezwungen, sich alles was man so haben möchte selbst zu bauen. Dieser Umstand
hat wesentlich dazu beigetragen, dass die ganze Geschichte so lange gedauert
hat. Ich war eigentlich, vor allem dank dem Blueprint CSS Framework, auch
schon recht weit und die Seite sah schon ganz gut aus.

Aber dann stiess ich auf Octopress.
Hierbei handelt es sich um ein Jekyll-Framework. Man muss nun also nicht mehr
bei Null anfangen4, sondern kann auf einer ausgesprochen soliden Basis
aufbauen. Dazu gehören ein responsives Theme, gelöste Standardaufgaben per
Rakefile und die einfache Installation per git, rvm und
bundler. Das gesamte Framework kann durch custom-Verzeichnisse und
-Dateien an den eigenen Geschmack angepasst werden.
Das alles macht den Einstieg in die statische Blog-Erstellung deutlich
einfacher und die schnellen Erfolgserlebnisse tragen nicht wenig zum
sprichwörtlichen Spaß am Gerät bei. Das Ergebnis schaut aktuell auch schon
ziemlich fertig aus.

Ausserdem bin ich einfach famos schlecht darin, einer so großartigen Tagline
wie der von Octopress zu wiederstehen:
Octopress - A blogging framework for hackers
Der langen Rede kurzer Sinn, hier die Dinge die ich bereits erledigt habe:
- Export der Posts aus Wordpress in Text-Dateien
- Anpassungen von Umlauten und anderen Sonderzeichen in Tags und Überschriften
- Konvertierung der Fußnoten-Syntax von wp-footnotes in Multimarkdown
- Konvertierung der verschiedenen, über die Jahre eingesetzen Code-Highlighting-Blöcke
- Auslagerung des Kommentar-Systems zu Disqus
- Anpassung des Themes in Anlehnung an das unter Wordpress eingesetzte Copyblogger-Theme
Und hier die Dinge die noch anstehen, bis der Switch tatsächlich stattfinden kann:
- Einige eingebette Videos funktionieren nicht mehr. Es wird nur der Embed-Code ausgegeben
- Implementierung von Lightbox-Funktionalität
- Anpassung der
.htaccess um alte Inhalte auf die neuen Adressen umzuleiten.
Cool URIs don’t change.
- Erstellung eines Workflows5 für das automatische und zeitversetze Publishing
- Ein Script um die QuickLinks weiterhin automatisiert aus Pinboard heraus zu bloggen
- Ein New Blog Post Tweet-Script
Also noch einiges zu tun.
Aber es macht wirklich einen Heidenspaß, die bevorzugten Werkzeuge einzusetzen,
wenn es um das Schreiben von Posts und das Verwalten des Blogs geht. Einfache
Textdateien, eine einfache Auszeichnungssprache, ein guter Editor und ein
modernes Versionierungssystem sind schlicht großartige Werkzeuge deren
Benutzung mir viel mehr Freude bereitet, als ein überkandideltes Web-Backend
mit einem Dutzend Plugins.
Und, hey, vielleicht gibt es dann sogar mal wieder was öfter neue Einträge wenn
das mal alles durch ist…
Stay tuned…