StudiVZ ohne personalisierte Werbung?

Seit das StudiVZ begonnen hat seine neuen AGBs einzuführen, in denen sich die Macher offenbar anfangs das Recht einräumten Nutzerdaten unbegrenzt zu speichern und für Werbung per Mail, Web, IM und SMS zu verwenden, gibt es einen Sturm der Entrüstung im StudiVZ selber und im restlichen Web.

Mittlerweile1 sind die StudiVZ Macher um Schadensbegrenzung bemüht und rudern zurück. Werbung per SMS und IM soll es nicht geben.

In der FAQ zur AGB Änderung findet sich ausserdem unter den “Allgemeinen Fragen” die Frage:

Kann ich mich gegen personalisierte Werbung entscheiden und trotzdem Mitglied bei studiVZ bleiben?

Nach einem Klick erhält man die Antwort:

Ja. Wenn du den neuen Bestimmungen zugestimmt hast, kannst du unter „Einstellungen zur Verwendung meiner Daten“ im eingeloggten Zustand genaue Angaben dazu machen, welche Werbeformen du erhalten möchtest.

Das ist ja sehr schön, keine Werbung mehr und trotzdem noch weiter “drin” sein. Nur sagt einem niemand wo man diese Option finden kann2

Darum hier einmal die schnelle Version damit das schon mal erledigt ist, und dann der ganze Weg zum selber klicken.

Schnelle Version

  • Melde dich im StudiVZ mit deinem Usernamen und Passwort an
  • Gib in deinen Browser die folgende URL ein oder klicke hier direkt drauf: http://www.studivz.net/optout.php
  • Entferne die drei Haken von den dir dargebotenen Optionen wie auf dem Screenshot unten zu sehen
  • Häkchen entfernen

Fertig, nun sollte der eigene Spamfilter nicht zu sehr belastet werden wenn man das StudiVZ trotz der AGB Änderung weiter nutzen möchte.

Lange Version zum selber klicken und mitraten

<li>Melde dich im StudiVZ mit deinem Usernamen und Passwort an</li>

<li>Scrolle nach ganz unten bis du den Footer der Seite sehen kannst3 und klicke dort auf "Datenschutz"</li>

Fussleiste

<li>Auf der Seite klicke auf "Datenschutz-Erklärung", nicht auf die kurze Version unten, sondern auf die rechtlich verbindliche oben, der folgende, wichtige Link ist nämlich bei den "Datenschutz-Informationen" <em>nicht</em> vorhanden...4</li>

Datenschutz

<li>Auf der folgenden Seite scrolle wieder bis ganz nach unten. Kurz vor dem Footer kommt dann der Link "Einstellungen zur Verwendung meiner Daten". Klicke dort und du kommst zu der Seite die ich oben bereits erwähnte. Drei Haken entfernen und gut ist</li>

Einstellungen zur Verwendung meiner Daten

Jetz mal ehrlich, muss das denn so versteckt sein? Kann man diesen Link nicht schon in der FAQ setzen? Oder auf die Seite auf der man die neuen AGBs abnicken muss um das StudiVZ weiter nutzen zu können? Oder noch besser, gleich in der Mail die über die neuen AGBs informiert?

Aber ich vermute wenn es so einfach wäre aus der Werbung rauszukommen, rechnete sich das ganze nicht mehr so richtig. Weniger Klickvieh bedeutet schlicht und einfach weniger Werbeeinnahmen. Diese sind natürlich wichtig für ein junges Social Network, ich weiss aber nicht ob die StudiVZ Macher damit gut fahren werden ihre User so zu behandeln. Ich fühle mich nicht gut dabei wenn ich eine OptOut-Option erst suchen muss, ehrlich nicht.

Spätestens wenn Facebook seine europäischen Dependancen eröffnet wird es noch deutlich enger auf dem Markt für Social Networks der ja jetzt schon mit StudiVZ, Xing, SchülerVZ, MySpace und weiss der Schinder was noch alles mehr als gut besetzt ist…

Ganz zu schweigen von den Entwicklungen rund um Googles Open Social, aber das ist wieder ein anderes Thema.

  1. nach geschätzten 15.000 Protestgruppen im StudiVZ []
  2. Honi soit qui mal y pense []
  3. Ja, das ist noch nach deinen Gruppen... []
  4. Honi soit qui mal y pense, aber ich wiederhole mich... []

Demokratie abschaffen in 10 einfachen Schritten

Stasi-20

  1. Invoke a terrifying internal and external enemy
  2. Create a gulag
  3. Develop a thug caste
  4. Set up an internal surveillance system
  5. Harass citizens’ groups
  6. Engage in arbitrary detention and release
  7. Target key individuals
  8. Control the press
  9. Dissent equals treason
  10. Suspend the rule of law

So einfach ist das. Genau erklärt wird das in einem (langen) und sehr lesenswerten Artikel des britischen Guardian: Fascist America, in 10 easy steps.

Dort wird zwar das Beispiel Amerika gewählt, aber ich glaube auch die Bundesrepublik ist nicht wirklich davor gefeit in eine Diktatur abzurutschen.

Man stelle diese Punkte mal in Relation zu angstverbreitenden, datensammelwütigen Dingen wie dem Bundestrojaner, der Vorratsdatenspeicherung (die jetzt übrigens schon viel schneller kommt) und der (offenbar sehr praktischen) rechtlichen Höherbewertung einer Dienstvorschrift gegenüber der Verfassung.

Schäuble-Katalog, Pah! Stasi 2.0 ist das.

(irgendwie via: vowe)

Schnüffelstaat online

Ein schöner Einstieg in den Themenkomplex Online-Durchsuchungen und Vorratsdatenspeicherung vom ARD Ratgeber Technik:

Vorratsdatenspeicherung – Schnüffelstaat online. Einmal als Text zum lesen und einmal als Video zum gucken.

(via: netzpolitik.org)

Fingerabdrücke sind sicher

Klar, müssen sie ja auch wenn Walt Disney World, belgische Schulen und die Ausweise aller Bundesbürger damit abgesichert werden sollen…

Oder vielleicht doch nicht so ganz?

(via: Isotopp)

BKA-Vaporware?

Also, ich fasse das nur noch mal kurz zusammen, sonst glaube ich das nämlich nicht…

  1. Unsere Polizei braucht dringend Online-Durchsuchungen.

  2. Die verantwortlichen Politiker haben durch die Bank keine Ahnung wie das genau vonstatten gehen soll.

  3. Im Herbst 2006 erhielt das “Programm zur Stärkung der inneren Sicherheit” (oh ist das Neusprech oder was?)160 Millionen Euro.

  4. Und jetzt hat das alles “nichts mit Trojanern zu tun, sondern ist spezielle, hoch professionelle Software” die allerdings noch zu entwickeln ist…

Die letzte, ausgesprochen differenzierte, Aussage stammt übrigens vom Herrn Zierke, seines Zeichens BKA-Präsident, der seine überragenden Kompetenz am 15.2.2007 im Nachtmagazin der ARD unter Beweis stellte, indem er zusammenhangslose Worthülsen aneinander reihte und nichts, aber auch gar nichts sagte.

Eine Kostprobe:

(…)

Gabi Bauer fragte weiter nach absichtlich von den Herstellern offen gelassenen Sicherheitslücken, “um auf unsere Computer zugreifen zu können”, da doch sonst auch die Polizei nicht hereinkäme. Das führte zu einem noch verschwurbelteren Wortschwall des obersten Polizisten:

Nein, auch darum geht es nicht. Äh, wir werden mit unseren Programmen, die wir anwenden werden, nicht in solche Lücken hinein müssen, die allgemein zum Schaden der Bevölkerung da sind, sondern wir werden sehr kontrolliert mit hoch professioneller Software unsere Programme starten und werden dann den Weg finden, um dieses aufklären zu können. Vor allem, und das geht noch einmal um die Frage, warum keine offene Hausdurchsuchung äh, Kriminelle laden diese Daten, die man auf der Festplatte normalerweise hat, ins World Wide Web aus. Das heißt, der Speicherplatz ist das Internet irgendwo weltweit.

“Durchsuchen Sie das Internet denn nicht – vielleicht würde das ja reichen?”, fragte Frau Bauer deutlich präziser nach.

Wir wollen, nein, wir können das Internet weltweit eben nicht durchsuchen. Das ist ja das Riesenmissverständnis, was hier entsteht. Wir können nur direkt am Computer des einzelnen ansetzen und nur dann, wenn es unverschlüsselt ist, das heißt, selbst die Verschlüsselungs-Software macht uns große Probleme. Deshalb müssen wir vor dem Verschlüsseln und nach dem Entschlüsseln ansetzen können. Wir brauchen die Passwörter, die man ja auch normalerweise nicht auf dem eigenen Computer abspeichert. All das können wir nur, wenn wir es online machen.

Haben die Leute eigentlich alle keine Kinder die denen mal das Internet erklären können?

Ein Glück, die TP hat ein Best Of des Interviews, und wenn ihr das alles genau so wenig glauben könnt wie ich, dann schaut euch das Trauerspiel noch mal an (RealVideo-Stream)…

Aller Wahrscheinlichkeit nach liegt die Telepolis mit ihrem Schlusssatz gar nicht so weit weg von der Wahrheit:

Da saßen zwei, drei beamtete Hobby-Programmierer in der BKA-Kantine und erzählten davon, was sie so theoretisch alles könnten. Und das ging durch die Schiene ihrer Vorgesetzten nach ganz oben, wo es zwar nicht so richtig verstanden wurde – und jetzt reden Zierke, Schäuble und Beckstein tagaus, tagein von dringend erforderlichen Gesetzesänderungen.

Gute Nacht liebes Vaterland…

(via: netzpolitik.org)

Ich habe nichts zu verbergen

Nichts Zu Verbergen

Mehr Plakete im Vorratsdatenspeicherung-Wiki, das auch sonst sehr zu empfehlen ist.

(via: mov blog)

Keine Online-Durchsuchung für Anständige

Wenn man nicht gerade so anständig ist wie unser Bundescracker Nummer 1, kann man sich laut taz-Bericht kaum gegen den kommenden Bundestrojaner wehren:

Ich will den Spitzeln wenigstens das Leben schwer machen. Geht das?

Ja. Am besten Sie beseitigen auf Ihrem Computer schleunigst die Windows-Monokultur.

Aber wenn man nun doch Windows auf dem Computer hat wie nunmal die meisten Leute in diesem Land? Ist man dann doch irgendwann der Willkür eines Polizisten ausgeliefert der beliebiges mit dem eigenen Rechner anstellen kann?

Was sagt ihr da? Das wurde doch schon für rechtswidrig erklärt?

In NRW (als einzigem Bundesland) ist das nach wir vor möglich. Und wenn der Herr Ziercke meint die Polizei braucht Online-Durchsuchungen dringend, dann lässt sich so ein Gesetz doch sicher schnell erlassen…

Mich würde dabei wirklich interessieren wie die technische Umsetzung genau erfolgen soll. Wird dann eine ganze einfache Mail mit dem Anhang IhreRechnung.pdf.exe an den mutmasslichen Terroristen geschickt? Ob der da wohl drauf klickt? Oder werden damit nur die DAUs unter den Terroristen erwischt und für den ganzen Rest lässt man sich eine Hintertür in Vista einbauen?

AnstaendigFalls ihr euch jetzt über die Sicherheit eurer Computer Sorgen macht, das ganze Übel kann man sehr simpel abwenden: Einfach den Anständig-Button aufs Blog pappen und anständige Klamotten tragen.

Denn wie heisst es schon seit Jahr und Tag, “Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten”.

(via: netzpolitik.org, Isotopp, law blog und heise)

Versatel speichert Verbindungsdaten

Also, man sollte ja eigentlich nicht nachtreten und eigentlich sollte dieses Posting auch ein Lob der Versatel werden. Das Internet bei mir daheim läuft seit Mittwoch ohne jedes Problem und mit ordentlichem Durchsatz.

Und ich wollte die Versatel jetzt einfach noch mal loben das sie die Daten ihrer Kunden schützt und keine Verbindungsdaten speichert.

Wollte ich. Echt.

Aber, und das ist ja echt doof, die Versatel sagt nur sie tue es nicht und tut es dann doch

Auch Versatel verneinte anfangs eine Speicherung kategorisch und räumte diese ebenfalls erst ein, nachdem ihr Postings von abgemahnten Versatel-Flatrate-Nutzern vorgehalten wurden: Higgibaby und dergute sollten der Kanzlei Dr. Karl, Urmann & Wagner für den Tausch von zwei Videos im BitTorrent-Netzwerk jeweils einen “Abgeltungsbetrag” in Höhe von 250 € zahlen. “Higgibaby” schrieb Versatel nach eigenen Angaben zu dem Vorfall an, erhielt aber keine weiteren Auskünfte.

Damit konfrontiert gab Versatel-Pressesprecher Stefan Sayder zwar an, er könne sich dies “nicht erklären”, räumte aber dann ein, dass es Fälle gebe, “in denen Versatel im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen IP-Adressen seiner Kunden speichert – zum Beispiel im Zusammenhang mit Auskunftsersuchen der Staatsanwaltschaft, einzelner Polizeibehörden oder auch Rechtsanwaltskanzleien”. Die “Sicherung von Verkehrsdaten”, so Sayder, erfolge unter anderem dann, “wenn eine Strafverfolgungsbehörde oder eine Anwaltskanzlei Versatel über einen Verdacht der missbräuchlichen bzw. rechtswidrigen Inanspruchnahme von Telekommunikationsleistungen informiert”.

Rechtsanwaltskanzleien? Ich wusste gar nicht das die schon die Exekutive unseres schönen Landes darstellen…

Die Versatel ist allerdings nicht der einzige Provider der die Verbindungsdaten speichert. 1&1 und GMX (Beide “Unitied Internet”) spielen ähnlich falsch gegen die Interessen der eigenen Kunden.

(via: netzpolitik.org)