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eBook-Management mit Scida

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Scida ist ein neuer Kindle- und eBook-Manager für Mac OS X. Es möchte Anwender dabei unterstützen, die wachsende Zahl von elektronischen Büchern komfortabel zu verwalten und mit dem Kindle auszutauschen.

Derlei Dinge habe ich bisher mit einer Kombination aus Calibre, Send To Kindle und der regulären Amazon Kindle-App für OS X hin bekommen. Das funktionierte für das hier vorhandene Setup aus zwei Amazon-Konten1, einem Kindle 42 und einem iPad 23 ganz gut, wenn auch nicht völlig intuitiv.

Da ich einen Promo-Code für Scida erhalten habe, wollte ich mal schauen, wie sich Scida gegen Calibre so schlagen würde.

Überblick

Auf den ersten Blick mach Scida wirklich einen sehr guten Eindruck. Klares, minimalistisches Design, übersichtliche Bibliotheksansicht. Wer schon einmal ein iTunes4 oder ein iPhoto benutzt hat wird sich hier schnell zurecht finden. Das ist ein definitiver Vorteil gegenüber dem Interface von Calibre, dass wirklich mehr als gewöhnungsbedürftig daher kommt.

Die Sprache der App ist Englisch, die wenigen Icons illustrieren ihre Funktion aber sehr gut und ich denke, auch Leute die des englischen nicht sehr mächtig sind sollten mit der Software klar kommen.

Die Ansicht eines angeschlossenen Kindles schießt den Vogel in Sachen Interface-Design wirklich ab. So schick habe ich selten ein externes Gerät in Szene gesetzt gesehen. Man will dran lecken…

Funktionen

In Sachen Funktionen hat Scida gegen Calibre leider nicht den Hauch einer Chance. Scida kann

  • eBooks aus Ordnern in seine eigene Bibliothek importieren. Dabei ist es auf die Formate MOBI, AZW und PRC beschränkt.
  • eBooks aus einem angeschlossenen Kindle importieren. Auch solche, die mit DRM belegt sind. Dabei ist es auf die Kindle Modelle Kindle Keyboard, Kindle 4, Kindle Touch, Kindle Black und Kindle Paperwhite beschränkt.
  • eBooks per Drag and Drop in Collections bewegen oder per Button an ein angeschlossenes Kindle senden.
  • Hübsch aussehen.

Und das ist eigentlich ein bisschen wenig. Die Metadaten der Bücher beschränken sich effektiv auf Titel und Autor. Cover Art wird nicht durchgängig angezeigt, obwohl die selben Dateien in Calibre mit Cover angezeigt werden. Die Collections, eigentlich eine fantastische Idee, sind im Prinzip nur rein manuell zu bestücken. Wer sich das Äquivalent zu intelligenten Playlists aus iTunes gewünscht hat geht leer aus. Schade, hier verschenkt Scida viel Potential.

In Calibre werden Metadaten wie Verlag, Veröffentlichungsjahr, und viele andere ausgelesen und auch benutzt. So kann man in der Suche bei Calibre sogar mit regulären Ausdrücken über alle Metadatenfelder suchen. In Scida ist lediglich eine einfache Suche über Autor und Titel möglich.

DRM

Bücher, die mit DRM vor dem Zugriff des Users geschützt werden sollen5, können mit Scida nicht editiert werden. Sie können lediglich, so wie sie sind, hin und her kopiert werden. Das ist alles.

Mit Calibre und einem Plugin lassen sich DRM-Fesseln unkompliziert lösen und machen auch komplette Anbieter-Migrationen möglich. Eine solche, von Amazons Kindle in Richtung Apple iBooks, wurde etwa von Zachary West unternommen und beschrieben.

Für viele weitere Informationen zu diesem Thema empfehle ich die Lektüre von Ebook Formats, DRM and You — A Guide for the Perplexed im Blog von Apprentice Alf. Es trägt den wundervollen Untertitel Everything you ever wanted to know about DRM and ebooks, but were afraid to ask. Da wird man nicht dümmer von.

Kindle

Letztlich lesen will man die Bücher natürlich nicht auf dem Mac6, sondern auf einem Kindle oder in einer Kindle-App. Letztere fallen für die Behandlung mit Scida schon komplett raus. Lediglich die oben genannte Kindle-Hardware wird unterstützt.

Das klappt dann allerdings auch sehr nett, die erste Verbindung muss man durch die Apple-Sandbox hindurch genehmigen, weitere Verbindungen klappen dann sofort.

Der dort vergebene Name wird in einer scida.json-Datei auf dem Kindle abgelegt. So kann das Gerät das nächste mal wieder erkannt werden.

Die Oberfläche ist erneut sehr hübsch anzusehen. Leider gibt es keinen automatischen Sync. Hier ist noch alles echte Handarbeit. Das Unterfangen, mehrere Kindles über Scida in Sync zu halten stelle ich mir nicht sonderlich witzig vor.

Die Collections von Non-Touch Kindles können editiert werden, benötigen aber einen Reboot des Kindles, um dann in Effekt zu treten.

Alles in allem nicht gerade viel. Was einem hier an manueller Klickerei abgenommen werden könnte hat aber erneut Potential für eine zukünftige Version.

Fazit

Scida macht einen fantastischen ersten Eindruck, verliert dann aber zusehends durch mangelnde Funktionen und auch die ein oder andere Ungereimtheit in der Benutzung.

In der aktuellen Version kann Scida dem etablierten Calibre nicht das Wasser reichen. Dass Calibre kostenlos erhältlich ist und Scida aktuell 5,49 €7 kostet ist da nur noch ein Detail.

In einer idealen Welt, vereinten die beiden Programme ihre Stärken und präsentierten die geballte Funktionalität von Calibre in Scidas schickem Interface. Dann gäbe ich auch gerne mehr als 10,00 € für das Programm aus.

(DRM-Infos gesammelt via: Schockwellenreiter)

  1. Eines von Kathi, eines von mir

  2. Kathis

  3. Meins

  4. Pre-Version 11

  5. Repeat after me: DRM is bad for the consumer.

  6. Und das ginge mit Scida auch gar nicht…

  7. In der Zukunft mehr

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