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Ausgelesen: Good bye, Logo

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Der Anfang von Neil Boorman - Good bye, Logo:

Ich bin ein angebissener Apfel, ein polospielender Reiter, ein schneebedeckter Berg. Auf der Arbeit will ich als kreativer Freigeist wahrgenommen werden, deshalb ist mein Computer ein Mac von Apple, weil den offenbar alle coolen Künstlertypen benutzen. Mein Poloshirt von Ralph Lauren ist bei den Jugendlichen aus den Sozialbau-Wohnsiedlungen sehr beliebt, und ich trage es, um ein bisschen tougher zu wirken. Ich trinke den ganzen Tag lang Wasser von Evian. Nicht weil es besonders gut schmeckt, sondern weil das Etikett den Effekt hat, dass ich mich gesund fühle und, nun ja, irgendwie besonders. Ich bin Londoner, weiß, gehöre der unteren Mittelschicht an - das, was die Demografen hier in England als ABC1 klassifizieren. Wenn Sie selbst ein Markenkonsument sind, dann können Sie das alles wahrscheinlich bestätigen, indem Sie mich einfach anschauen.

Das Buch hat meine Schwester mir ans Herz gelegt und ich muss sagen: Durchaus zu Recht. Der Autor entscheidet sich, in Zukunft auf alle Markenartikel in seinem Leben zu verzichten und alle in seinem Besitz befindlichen Dinge die ein Logo tragen in einem Feuer zu vernichten. Erzählt wird die Geschichte wie er seinen persönlichen Scheiterhaufen der Marken organisiert. Der Verzicht auf alles was eine Marke ist, ist nämlich gar nicht so einfach. Nicht erst dann, wenn man mit Essig und Backpulver die eigene Wanne schrubbt, sondern schon wenn man keine Markenlebensmittel mehr konsumieren will und daher auf dem Wochenmarkt für eine ganze Woche einkaufen muss…

Da er ausserdem kein markenloses Äquivalent zu seinem MacBook findet, lässt er alle Logos entfernen, ein so genanntes Debranding.

Das Buch ist stellenweise sehr komisch, bietet aber auch viel Hintergrundwissen zu den Marken und wie sie uns und unser Verhalten widerspiegeln und fördern. Auch ein Blick hinter die Kulissen von Werbekampagnen und wie diese funktionieren fehlt nicht.

Lehrreich, unterhaltsam, witzig und tragisch. Ein Lesevergnügen.

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