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Ausgelesen: Mustererkennung

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Der Anfang von William Gibson - Mustererkennung:

Fünf Stunden Zeitunterschied zwischen New York und London. Cayce Pollard erwacht in Camden Town, belauert von den schaurigen, endlos kreisenden Wölfen der Dysrythmie.
Es ist die matte, gespenstische Unstunde, limbische Impulse schwappen durch die graue Substanz, erratische Regungen des Stammhirns funken inadäquates Reptilienverlangen nach Sex, Nahrung, Betäubung, obwohl im Moment nichts davon verfügbar ist.
Nicht mal Nahrung, denn Damiens neue Küche enthält so wenig Essbares wie die Austellungsstücke ihres Designers in der Camden High Street. Sehr hübsch, die Oberschränke kanariengelb beschichtet, die Unterschränke ungebeiztes, klarlackversiegeltes Apfelbaumfurnier. Blitzsauber und so gut wie leer, bis auf eine Packung mit trockenen Weetabix-Pallets und ein paar losen Beuteln Kräutertee. Gähnende Leere im Kühlschrank, Made in Germany, der noch so neu ist, daß es darin nur nach Kälte und langkettigen Polymeren riecht.

Ich bin ja doch dazu gekommen in den letzten acht Monaten ein paar Bücher neben dem Studium zu lesen. Die Ausgelesen Artikel dazu kommen aber erst jetzt, nach und nach, auf diese Seite.

Mustererkennung lebt sehr von seiner schrägen Atmosphäre des Marketing und des Clip-Hypes in der sich Cayce bewegt. Dank ihrer Marken-Allergie kann sie sehr schnell beurteilen ob ein Logo funktioniert oder nicht. Dafür muss sie aber auch die Nieten ihrer Levis vom Markennamen freischleifen lassen, sonst kann sie sie nicht tragen.

Viel wichtiger ist es ihr aber, im Netz mit anderen Clipheads über die Bruchstücke eines Videos zu reden, die nach und nach an unterschiedlichen Stellen auftauchen. Die Identität des Erschaffers1 ist dann auch eines der wenigen Ziele die den Plot vorantreiben.

Mir hat das Buch gut gefallen, man muss sich allerdings auf die Gibsonsche Erzählweise einlassen und ihm durch die verschiedenen Settings des Buchs führen lassen. Eine gewisse Vorliebe für technoide Ästhetik ist ebenfalls von Vorteil.

  1. der Erschafferin / der Erschaffer, wer weiss das schon?

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