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Augelesen: Herz der Finsternis

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Der Anfang von Joseph Conrad - Herz der Finsternis:

Die “Nellie”, eine Yacht, schwojte um den Anker, ohne daß sich die Segel regten, und lag ruhig. Die Flut hatte eingesetzt, es war fast windstill, und da es flußabwärts gehen sollte, konnte man nur Geduld haben und auf den Wechsel der Gezeiten warten.
Vor uns erstreckte sich die Themsemündung wie der Anfang einer endlosen Wasserstraße. Draußen gingen See und Himmel nahtlos ineinander über, und die braunroten Segel und glänzend lackierten Sprieten der Lastkähne, die mit der Flut herauftrieben, wirkten im lichten Raum wie scharfe rote Zacken, die unbeweglich zusammengeballt waren. Dunst lag über den niedrigen Ufern, die zur See hin immer flacher wurden. Über Gravesend war es dunkel, und noch weiter hinten schien sich der Himmel, der reglos über der stolzesten und größten Stadt der Erde lastete, düster zusammenzuziehen.

Das Original dieser Geschichte ist 1899 in London erschienen und ist eine radikale Kritik an der europäischen Kolonialherrschaft in Afrika. Die Sprachmelodie ist auch eine völlig andere als in Büchern heutiger Tage. Dennoch sind es eben diese Melodie, die oft erwähnte Stille und das nie erwähnte Grauen die mir an dem Buch besonders gefallen haben.

Dass der Film Apocalypse Now zu großen Teilen auf dieser alten Erzählung beruht ist da schon fast nebensächlich.

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