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Wovon reden Sie eigentlich, Herr Schäuble?

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EIn Richter erklärt die Online-Durchsuchung und keiner kriegt es mit.

Endlich mal jemand der sowohl Ahnung von der juristischen, als auch von der technischen Seite der Themenkomplexe Online-Durchsuchung und Bundestrojaner hat. Ulf Buermeyer ist Richter in Berlin, wo er am Amtsgericht Tiergarten als Strafrichter und Ermittlungsrichter tätig ist. An der Universität Leipzig arbeitete er von 1999 bis 2003 als Netzwerk-Administrator in einer gemischten Windows-Linux-Umgebung. Er weiß also — im Gegensatz zu Herrn Schäuble —, wovon er redet.

Er ist der Verfasser des juristischen Aufsatzes “Die Online-Durchsuchung. Technischer Hintergrund des verdeckten hoheitlichen Zugriffs auf Computersysteme.

Ich empfehle wirklich sich diesen Ausatz in einem ruhigen Moment (10 - 15 Minuten sollten vollkommen ausreichen) angemessen zu Gemüte zu führen, für eilige Zeitgenossen gibt es bei burks.de eine Zusammenfassung.

Persönliches Highlight daraus:

“Zudem kann der Zugriff der Ermittlungsbehörden auf gespeicherte Daten durch den Einsatz geeigneter Verschlüsselungssoftware erheblich erschwert und - bei Verwendung entsprechend starker Software und geeigneter Passwörter auch gänzlich vereitelt werden. So bieten Windows-Betriebssysteme ab der Version Windows 2000 die Verschlüsselung ganzer Festplatten an - der Zugriff ist dann nur möglich, wenn sich ein Benutzer mit seinem Benutzernamen und Passwort am System angemeldet hat, der als zugriffsberechtigt erkannt wird. Ein systemübergreifendes Beispiel ist das Programm TrueCrypt, das derzeit unter Microsoft Windows und Linux lauffähig ist und sowohl ganze Festplatten verschlüsseln als auch ‘virtuelle Laufwerke’ zur Verfügung stellen kann. ‘Virtuelle Laufwerke’ werden technisch betrachtet in normalen Dateien abgelegt, erscheinen dem Anwender jedoch unter Windows wie ein ”normales“ Laufwerk, d.h. können unter einem Laufwerksbuchstaben genau wie z.B. eine Festplatte oder eine CD-ROM angesprochen werden. TrueCrypt bietet verschiedene Verschlüsselungsalgorithmen an, die bei richtiger Wahl des Passworts in realistischen Zeiträumen nach gegenwärtigem Stand der EDV-Technik nicht zu ”knacken“ sind.

Noch mal ganz langsam zum Mitschreiben (Verschwörungstheoretiker ohne Kenntnisse in höherer Mathematik - wie Faktorisierung großer Primzahlen - bitte kurz weghören): Nach gegenwärtigem Stand der EDV-Technik nicht zu ”knacken“ sind. Soweit alles klar? Puls und Atmung noch normal, Herr Schäuble?

Im Prinzip düfte also jeder Möchtegernterrorist der seine C4-Packs beisammenhat auf praktische, sichere Verschlüsselung seiner Terror-Pläne setzen. Oder seine Pläne eventuell auf Papier schreiben? Soll ja auch funktionieren…

Die Stasi 2.0 darf sich dann am Privatleben von 80 Millionen potentiellen Schwerverbrechern ergötzen und hin und wieder mal einen bratzigen eBay-Betrüger dingfest machen. Im Hinblick auf die zu erwartenden Kosten (Wenn die Vorratsdatenspeicherung kommt kauft Storage-Aktien…) sollten diese irren Auswüchse (wenn schon nicht von der Kanzlerin) dann doch spätestens vom Finanzminister gestoppt werden…

Nur schade das die Propaganda unseres Innenministers ungebremst weitergeht und er weiterhin so schöne Sätze sagen darf:

Wer auf diese Weise unseren Rechtsstaat mit dem Unrechtsstaat DDR gleichsetzt, hat entweder keine Ahnung vom Wirken der Stasi oder er leidet an akutem Verfolgungswahn”, sagte der CDU-Politiker der Zeitschrift Super Illu.

Super Illu? Super Illu?? WAS??? Mit diesem Land geht es rapide bergab… Sorry, ich hab die SuperIllu mit der anderen Illu verwechselt, bergab geht es aber trotzdem…

(via: Schockwellenreiter)

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