QuickLinks vom 19. Oktober bis zum 16. November

Meine delicious.com-Links vom 19. Oktober bis zum 16. November:

Klappentexte wie sie sein sollen

Ich lese ja alles an einem Buch, auch auf welchem Papier es gedruckt wurde, welcher Auflage das vorliegende Exemplar entstammt und so weiter…

Und gerade finde ich im Klappentext von Macht und Rebel den folgenden Hinweis:

Personen und Handlungen dieses Romans sind frei erfunden. Sollten sich bei der satirischen Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse Ähnlichkeiten mit der realen Welt ergeben, so bedauert der Verlag weniger die Form der Darstellung, als den Zustand der realen Welt.

Jetzt bin ich ja mal sehr auf den Rest gespannt…

Ausgelesen: Good bye, Logo

Der Anfang von Neil Boorman – Good bye, Logo:

Ich bin ein angebissener Apfel, ein polospielender Reiter, ein schneebedeckter Berg. Auf der Arbeit will ich als kreativer Freigeist wahrgenommen werden, deshalb ist mein Computer ein Mac von Apple, weil den offenbar alle coolen Künstlertypen benutzen. Mein Poloshirt von Ralph Lauren ist bei den Jugendlichen aus den Sozialbau-Wohnsiedlungen sehr beliebt, und ich trage es, um ein bisschen tougher zu wirken. Ich trinke den ganzen Tag lang Wasser von Evian. Nicht weil es besonders gut schmeckt, sondern weil das Etikett den Effekt hat, dass ich mich gesund fühle und, nun ja, irgendwie besonders. Ich bin Londoner, weiß, gehöre der unteren Mittelschicht an – das, was die Demografen hier in England als ABC1 klassifizieren. Wenn Sie selbst ein Markenkonsument sind, dann können Sie das alles wahrscheinlich bestätigen, indem Sie mich einfach anschauen.

Das Buch hat meine Schwester mir ans Herz gelegt und ich muss sagen: Durchaus zu Recht. Der Autor entscheidet sich, in Zukunft auf alle Markenartikel in seinem Leben zu verzichten und alle in seinem Besitz befindlichen Dinge die ein Logo tragen in einem Feuer zu vernichten. Erzählt wird die Geschichte wie er seinen persönlichen Scheiterhaufen der Marken organisiert. Der Verzicht auf alles was eine Marke ist, ist nämlich gar nicht so einfach. Nicht erst dann, wenn man mit Essig und Backpulver die eigene Wanne schrubbt, sondern schon wenn man keine Markenlebensmittel mehr konsumieren will und daher auf dem Wochenmarkt für eine ganze Woche einkaufen muss…

Da er ausserdem kein markenloses Äquivalent zu seinem MacBook findet, lässt er alle Logos entfernen, ein so genanntes Debranding.

Das Buch ist stellenweise sehr komisch, bietet aber auch viel Hintergrundwissen zu den Marken und wie sie uns und unser Verhalten widerspiegeln und fördern. Auch ein Blick hinter die Kulissen von Werbekampagnen und wie diese funktionieren fehlt nicht.

Lehrreich, unterhaltsam, witzig und tragisch. Ein Lesevergnügen.

Augelesen: Vergebung

Der Anfang von Stieg Larsson – Vergebung:

Dr. Anders Jonasson wurde von Schwester Hanna Nicander geweckt. Es war kurz vor halb zwei Uhr morgens.
“Was ist los?”, fragte er benommen.
“Draußen landet gerade ein Rettungshubschrauber. Zwei Patienten. Ein älterer Mann und eine junge Frau. Sie hat eine Schussverletzung.”
“Aha”, sagte Anders Jonasson müde.

Den ersten Teil dieser Trilogie habe ich bereits im letzten Jahr gelesen. Der zweite1 ist, ebenso wie der hier vorliegende dritte, von mir im Rekordtempo gelesen worden, jedoch habe ich ihn offenbar schon wieder zurück gegeben ohne ihn der Ausgelesen-Reihe auf diesem Blog hinzugefügt zu haben. Ich werde das nachholen. Ich hatte “Verdammnis” doch schon gepostet

Vergebung ist ein würdiger Abschluss für das Hauptwerk des 2004 verstorbenen Autors. Spannend wie sonst kaum ein Buch in den letzten Jahren konnte ich es ebenso wenig aus der Hand legen wie die beiden Vorgänger. Lisbeth Salander dreht hier2 erneut zu Höchstform auf und greift mit einem Palm vom Krankenbett aus in die Handlung ein. Dazu noch eine Verschwörung in der schwedischen Sicherheitspolizei, jede Menge Kaffee und die sympathischen Millenium-Storys machen das Buch abwechslungsreich. Die verschiedenen Handlungsstränge werden dabei so geschickt miteinander verwoben, dass man kaum abwarten kann wie es denn nun weitergeht.

Eine echte Empfehlung. Und die Verfilmung des ersten Teils kommt hierzulande offenbar im Oktober in die Kinos, ich bin gespannt…

  1. Verdammnis []
  2. einmal aus dem Koma erwacht []

Ausgelesen: Millennium Falcon

Der Anfang von James Luceno – Millennium Falcon:

The first time Han laid his eyes on her, standing with Lando on one of Nar Shaddaa´s permacrete landing platforms a few short years before he had thrown in with the Rebel Alliance, he saw the battered old freighter not only for all she was but for all that she might one day become.
Starring at her like some lovesick cub. Eyes wide, mouth hanging open. Then quickly trying to get hold of himself so that Lando wouldn´t know what he was thinking. Dismissing the ship as a hunk of junk. But Lando was no fool, and by then he knew all of Han´s tells. One of the best gamblers that side of Coruscant, he knew when he was being bluffed. “She´s fast,” he had said, a twinkle in his eye.
Han didn´t doubt it.

Die Story des Millennium Falcon.

Ein ganz und gar großartiges Buch für alle die sich auch nur im Ansatz für Star Wars interessieren. Die Geschichte wird von zwei Richtungen aus erzählt. Aus der Vergangenheit, beginnend mit der Herstellung des YT-13001 und aus der Zukunft, in der sich Han und Leia gemeinsam mit ihrer Enkelin Allana auf die Spur eines Artefakts begeben, das seit langer Zeit unbemerkt an Bord der Falcon ist.

Spannend, witzig und mit vielen Hintergrundinfos aus den verschiedensten Epochen des Star Wars Universums. Für Star Wars Geeks ein echtes Muss, für eher bodenständige Leute vermutlich so überflüssig wie ein Bantha-Reitgeschirr…

  1. die schon einen recht guten Vorgeschmack auf die zukünftige, bewegte Geschichte des Schiffs gibt []

Ausgelesen: Der Fänger im Roggen

Der Anfang von J. D. Salinger – Der Fänger im Roggen:

Wenn ihr das wirklich hören wollt, dann wollt ihr wahrscheinlich als Erstes wissen, wo ich geboren bin und wie meine miese Kindheit war und was meine Eltern getan haben und so, bevor sie mich kriegten, und den ganzen David-Copperfield-Mist, aber eigentlich ist mir gar nicht danach, wenn ihr´s genau wissen wollt. Erstens langweilt mich der Kram, und zweitens hätten meine Eltern dann jeweils ungefähr zwei Blutstürze, wenn ich was ziemlich persönliches über sie erzählen würde. Bei solchen Sachen sind sie ganz schön empfindlich, besonders mein Vater. Sie sind schon nett und so – da sag ich ja gar nichts -, aber sie sind eben ungeheuer empfindlich. Außerdem erzähl ich euch auch nicht meine ganze verfluchte Autobiographie oder so was. Ich erzähl euch bloß von diesem Irrsinnskram, der mir so um letztes Weihnachten passiert ist, bevor es mit mir ziemlich bergab ging und ich hierher kam und es ruhiger angehen lassen musste.

Der Fänger im Roggen. Ich bedaure ja, dass ich das Buch nie im Englisch Unterricht gelesen habe. Vielleicht werde ich mir noch mal das Original zulegen. Denn, im Vertrauen: Diese ganzen und sos und verfluchten mit denen Holden seine Sätze spickt sind im englischen Originalslang doch sicherlich besser geeignet die Kritik an der Welt der Erwachsenen zu transportieren.1

  1. Oder? Oder?? []

Ausgelesen: Mustererkennung

Der Anfang von William Gibson – Mustererkennung:

Fünf Stunden Zeitunterschied zwischen New York und London. Cayce Pollard erwacht in Camden Town, belauert von den schaurigen, endlos kreisenden Wölfen der Dysrythmie.
Es ist die matte, gespenstische Unstunde, limbische Impulse schwappen durch die graue Substanz, erratische Regungen des Stammhirns funken inadäquates Reptilienverlangen nach Sex, Nahrung, Betäubung, obwohl im Moment nichts davon verfügbar ist.
Nicht mal Nahrung, denn Damiens neue Küche enthält so wenig Essbares wie die Austellungsstücke ihres Designers in der Camden High Street. Sehr hübsch, die Oberschränke kanariengelb beschichtet, die Unterschränke ungebeiztes, klarlackversiegeltes Apfelbaumfurnier. Blitzsauber und so gut wie leer, bis auf eine Packung mit trockenen Weetabix-Pallets und ein paar losen Beuteln Kräutertee. Gähnende Leere im Kühlschrank, Made in Germany, der noch so neu ist, daß es darin nur nach Kälte und langkettigen Polymeren riecht.

Ich bin ja doch dazu gekommen in den letzten acht Monaten ein paar Bücher neben dem Studium zu lesen. Die Ausgelesen Artikel dazu kommen aber erst jetzt, nach und nach, auf diese Seite.

Mustererkennung lebt sehr von seiner schrägen Atmosphäre des Marketing und des Clip-Hypes in der sich Cayce bewegt. Dank ihrer Marken-Allergie kann sie sehr schnell beurteilen ob ein Logo funktioniert oder nicht. Dafür muss sie aber auch die Nieten ihrer Levis vom Markennamen freischleifen lassen, sonst kann sie sie nicht tragen.

Viel wichtiger ist es ihr aber, im Netz mit anderen Clipheads über die Bruchstücke eines Videos zu reden, die nach und nach an unterschiedlichen Stellen auftauchen. Die Identität des Erschaffers1 ist dann auch eines der wenigen Ziele die den Plot vorantreiben.

Mir hat das Buch gut gefallen, man muss sich allerdings auf die Gibsonsche Erzählweise einlassen und ihm durch die verschiedenen Settings des Buchs führen lassen. Eine gewisse Vorliebe für technoide Ästhetik ist ebenfalls von Vorteil.

  1. der Erschafferin / der Erschaffer, wer weiss das schon? []

QuickLinks vom 7. April bis zum 9. April

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Ausgelesen: Wieso fliesst der Nil bergauf?

Der Anfang von Kenneth C. Davis – Wieso fließt der Nil bergauf?:

In der Grundschule hatte ich eine Erdkundelehrerin, die ich Mrs. McNally nennen möchte. Eines Tages verlor sie mitten im Unterricht die Fassung. Als sie eine dieser schönen, aufrollbaren Karten aus dickem Wachspapier herunterzog, die wir an unserer Schule benutzten, verstand sie die Welt nicht mehr.
Erinnern Sie sich? Drei oder vier Landkarten, die über der Tafel hingen? Wenn man eine Karte herunterzog, rollte sie sich manchmal mit einem Ruck wieder auf. Bisweilen wirkte das wie eine Slapstick-Einlage in einem Stummfilm.
An diesem besonderen Morgen hing eine Landkarte Afrikas an der Tafel, denn Ägypten und der Niel sollten behandelt werden. Die Lehrerin erklärte gerade etwas, als ein Händchen in die Höhe ging und eine Stimme fragte: “Wie kommt es, dass der Nil nach oben fliesst?”

Ich habe mir das Buch nach einer Empfehlung des Schockwellenreiters gekauft und wurde nicht enttäuscht. Sechs Euro für einen humorvollen Trip durch die Geschichte der Erde und der Menschheit sind da echt nicht zu viel. Und dümmer wird man davon auch nicht…

Ausgelesen: Verdammnis

Der Anfang von Stieg Larrson – Verdammnis:

Lisbeth Salander schon sich die Sonnenbrille auf die Nasenspitze und blinzelte unter der Krempe ihres Sonnenhutes hervor. Sie sah die Dame aus Zimmer 32 aus dem Seiteneingang des Hotels treten und auf eine er grün-weiß gestreiften Liegen am Pool zusteuern. Konzentriert heftete sie ihre Blicke auf den Boden, und es wirkte, als wäre sie etwas wackelig auf den Beinen.

Überraschenderweise ist dieses Buch noch ein wenig besser als der erste Teil. Man erfährt sehr viel über den Hintergrund von Lisbeth und auch die anderen Charaktere aus dem ersten Teil erhalten hier noch mehr Tiefe.

Die Handlung ist mindestens so spannend wie in Verblendung und ausserdem gibt es noch einige interessante Nebenplots.

Ich bin sehr auf den letzten Teil der Trilogie gespannt, wenn sich das Niveau weiter so steigert wird das grandios…